Ein erstaunliches Buch über das Glück

In Glückskind erzählt der Autor Steven Uhly die Geschichte von Hans D., einem Gescheiterten, der kurz davor ist, aufzugeben. Er lebt wie ein Messi irgendwo in der Anonymität einer Hochhaussiedlung nur noch vor sich hin und verlässt kaum noch seine Wohnung. Doch eines Tages findet er im Müllcontainer seines Hauses ein Baby – und zum Glück lebt es noch.In einem Reflex holt er das schreiende Balg aus dem Müll, steckt es unter seinen Mantel, trägt es in seine Wohnung, füttert es, wickelt es und - beschliesst, es zu behalten, wissend, dass er das eigentlich nicht darf. Doch Hans D. ist der Meinung: Jemandem, der sein Kind "entsorgt" darf man es keinesfalls zurückgeben. Außergewöhnlich an der Geschichte ist, dass Hans D. durch den Fund des Babys wieder ins Leben zurückfindet. Sein Alltag bekommt wieder Struktur, er sieht wieder einen Sinn in seinem Leben und in dem anonymen Wohnblock bekommen die Leute plötzlich ein Gesicht: Sie fragen nach dem Baby, bieten ihre Hilfe an und so entsteht so etwas wie Nestwärme, die allen Beteiligten gut tut.

Es beginnt ein berührender Prozess über die Entscheidung, was geschehen muss. Das Kind behalten, es verbergen? Und die Mutter? Eine Mordanklage zulassen, wider besseres Wissen? Was ist mit dem Vater? Was ist gerecht? Wie handeln? Am Ende der Geschichte sind die Dinge neu geordnet. Ein Kind wird überlebt haben, und mit Hans D. werden wir wissen, dass Liebe der Schlüssel ist für Erkenntnis, Veränderung, ein gutes Leben. Und wir verstehen, dass Glück so viel mehr sein kann, als wir bislang ahnten.

Steven Uhly greift Themen und soziale Probleme unserer gesellschaftlichen Gegenwart auf, ohne dabei zu moralisieren oder zu (ver-)urteilen. Er schreibt sanft und sacht, klar und genau – und mit Mut und Witz vom Glück und vom Unglück. Seinen Figuren gewährt er nachvollziehbare Haltungen und überraschende Entwicklungen. Und das Schönste daran: Man mag das Buch nicht mehr aus der Hand legen, denn bei aller Tiefe bleibt es bis zuletzt spannend.